Jenaplanschulen sind in Bayern noch rar, in Holland jedoch sind sie weitaus mehr verbreitet. Das ursprünglich deutsche pädagogische Konzept wurde von den Holländern weiterentwickelt. Der Besuch von Tom de Boer, dem pensionierten Jenaplanrektor, im Sommer in Würzburg, hatte uns , Ursula Rauer und Gisela Bach, neugierig gemacht.
Deshalb suchten und fanden wir über Herrn de Boer eine Hospitationsmöglichkeit in den Niederlanden. In Alphen an den Rijn in Südholland fanden wir „de Jenaplaneet basisschool, katholiek basisonderwijs“.Während der bayerischen Herbstferien sammelten wir dort zahlreiche Eindrücke in verschiedenen Jahrgangsstufen.
Das Holländische klingt in unseren Ohren noch immer nach, verstehen konnten wir viel, sprechen eher wenig. Die deutschen Sprachkenntnisse unserer erwachsenen Gastgeber waren unterschiedlich, so wichen wir mit den Kollegen oft auf das Englische aus. Von den Kindern der ersten Jahrgänge konnten wir einige Wörter und Sätzchen lernen, vor allem aber die richtige Aussprache einiger Laute.
Die Schule ist eine 6-jährige Grundschule in staatlicher Trägerschaft, der eine 2-jährige Vorschule vorgeschaltet ist. Insgesamt besuchen etwa 220 Kinder die Einrichtung. Man kann auf eine langjährige Erfahrung (über 20 Jahre) zurückblicken.
Wie bei uns beträgt die Gruppengröße durchschnittlich 24 Kinder in der Mischung zweier Jahrgänge, die von einer Lehrkraft unterrichtet werden. Der Unterricht beginnt täglich um 8:30 und endet montags, dienstags, donnerstags und freitags um 15:30, mittwochs um 12:30 .
Bilderalben: Jenaplaneet
Für das Mittagessen, welches Eltern beaufsichtigen, bringen die Kinder eine Brotzeit mit.
Die holländischen Kinder feiern regelmäßig. Bei unserer Ankunft durften wir gleich an der montäglichen Wochenbeginnfeier der Schule in der Aula teilnehmen. Von Vorschulkind bis 6.Jahrgang nahmen alle Stammgruppen einschließlich einiger Eltern an der halbstündigen Feier teil. Zur Aufführung kamen die Ergebnisse eines Leseprojektes, die Feier der Geburtstagskinder der Woche, ein gemeinsames Lied, sowie allgemeine Ankündigungen. Nach festen Regeln wurde aufgebaut und abgebaut, zum größten Teil selbstständig durch die Schüler.
Danach begann der deutlich rhythmisierte Tag. Die vier Basisaktivitäten GESPRÄCH; SPIEL; ARBEIT; FEIER sind in den Schultag fest eingebunden.
Je nach Altersstufe wird regelmäßig das Gespräch zwischen Lehrer und Schüler n gepflegt: beim gemeinsamen Gespräch während des Frühstückskreises über Erlebtes, aktuelle Ereignisse oder bei den Großen die Diskussionsrunden mit Argumentationstraining. Beeindruckend waren immer wieder auch die Reflektionen der Gespräche durch Schüler wie Lehrer.
Auch das Spiel hat einen deutlichen Stellenwert: neben dem freien Pausenspiel wird in der Gemeinschaft der Stammgruppe gespielt, z.B. das Reaktionsspiel, das Sprachspiel aber auch das soziale Rollenspiel. Kinder lernen spielerisch und gern miteinander.
Die Arbeit ist klar strukturiert: Phasen der fächergebundenen Instruktion einzelner Gruppen wechseln ab mit freien Übungsphasen in stiller Arbeit. Differenzierende Übungsaufgaben werden von den Kindern je nach Lernvermögen selbstständig bearbeitet und von der Lehrkraft kontrolliert. Später folgt eine sogenannte Blokperiode, die Hauptzeit der Projektarbeit. AGs gibt es praktisch nicht.
Die Arbeit wird beendet mit einer kurzen Reflektion der Tagesarbeit, bei der Erfolge und Fortschritte gefeiert werden, Versäumnisse aber auch benannt werden. In regelmäßigen Abständen finden Lernzielkontrollen statt.
Eine Reihe von Kindern wird nun von Eltern abgeholt, andere werden von der Nachmittagsbetreuung außerhalb der Schule empfangen, wieder andere fahren allein heim.
Zum Ende der Woche bereiten die Stammgruppen (differenziert nach UG, MG und OG) die gemeinsame Wochenabschlussfeier vor. In regelmäßigem Wechsel finden stammgruppeninterne Feiern, Stufenfeiern und einmal monatlich die allgemeine Schulfeier statt. Eltern sind eingeladen daran teilzunehmen.
Auffallend in der Hospitationswoche sind die offenen Stammgruppentüren, der sichtbare Arbeitswille der Kinder, die selbstverständliche Arbeit der Schüler an den Computerarbeitsplätzen im Gang, das sichere Auftreten vieler Schüler in Vorträgen, das problemlos funktionierende Helfersystem in der Jahrgangsmischung.
Die Räume sind alle sehr ähnlich strukturiert, so dass Schüler und Lehrer sich leicht orientieren können.
Als sehr angenehm empfanden wir die offene, freundliche Atmosphäre, die in allen Richtungen gelebt wird.
Auf viele unserer Fragen fanden wir in diesen Tagen Antworten oder bedenkenswerte Anregungen, die wir im Team in Würzburg überlegen können. Manche Fragen stellten auch die Holländer an uns, z. B. wie kann Integration gelingen. Hier entspannen sich für uns interessante Gespräche, die sich vielleicht durch Fortsetzung der Besuche oder Gegenbesuche weiterentwickeln werden.
Bei unserem nächsten Besuch stellt sich vor allem die Frage, wie geht es nach der Basisonderwijs-Schule ab der 7. Jahrgangsstufe in der Praxis weiter? Unsere Neugier auf diesen Alltag der Holländer ist groß.
G. Bach, U.Rauer





